Dokumentation des Artikels von Dr. Frank Pietsch, Vorsitzender des Vereins "Weingarten Berlin", erschienen in "Vor Ort", Ausgabe Mai 2006:
Die Hobbywinzer Liane Benjamin und Frank Pietsch pflanzen Wein am Wasserturm in Prenzlauer Berg.
(Foto: Wolfgang Krause)
Weinbau mit Tradition
Von Dr. Frank Pietsch, Vorsitzender des Vereins »Weingarten Berlin«

Die Gründung des Vereins »Weingarten Berlin« e. V. erfolgte am 18.Oktober 2004 durch zehn Gründungsmitglieder aus den Bereichen Wirtschaft, Wissenschaft und Verwaltung. Er ist im Vereinsregister eingetragen, seine Arbeit ist vom Finanzamt als gemeinnützig anerkannt.

Wir betrachten den Wein als ein europäisches Kulturgut, dessen Wurzeln weit in die Antike zurückreichen. Die Spuren seiner Verbreitung lassen sich quer durch Europa verfolgen. Im 14. Jahrhundert erreichte er auch die Hügel vor den Toren Berlins. 1565 gab es hier 96 Weinberge und -gärten. Die ins Spreetal abfallenden Südhänge der Barnimkante boten jahrzehntelang günstige Voraussetzungen für den Weinanbau. Doch nachdem der überaus kalte Winter 1740/41 viele Weinstöcke vernichtet hatte, ging er rasch zurück. Mitte des18. Jahrhunderts erlangte die nördliche Feldmark als Windmühlenstandort Bedeutung, und ein weiteres Jahrhundert später eroberte mit der Ansiedelung der ersten Bierbrauereien der Gerstensaft die Gaumen der Berliner. An die Blütezeit des Weinanbaus erinnert heute nicht mehr allzu viel. So ziert das alte Stadtwappen von Prenzlauer Berg neben Windmühlenflügeln und Hopfen auch eine Weinranke. Außerdem deuten der Weinbergsweg, der in Verlängerung der Kastanienallee zur Torstraße führt, aber auch das Weinmeisterhaus in der Weinmeisterstraße in Mitte, wo einst Wein gekeltert wurde, sowie die Weinstraße am Friedrichshain noch auf dieses Kapitel der Stadthistorie hin.

Die Faszination, die vom Wein ausgeht, aber auch die wenig bekannte Geschichte des Berliner Weinanbaus haben uns dazu motiviert, einen Förderverein zu gründen, der ausschließlich gemeinnützige Zwecke verfolgt. Er konzentriert sich auf die Vermittlung von Wissen über den Wein als Natur- und Kulturerbe, auf die Anregung lokaler Kreisläufe im Sinne der Lokalen Agenda und nicht zuletzt auf den Erfahrungsaustausch und das Zusammenwirken mit Weinvereinen bzw. -produzenten anderer Regionen.

In der kurzen Zeit seines Bestehens kann der Verein mit einer Reihe guter Ergebnisse aufwarten. Das beste Verständnis für Weinbau erwirbt man, wenn man ihn selbst betreibt. Die Vereinsmitglieder haben daher die Pflege von 400 Weinstöcken übernommen, die im Jahre 2000 vom bezirklichen Grünflächenamt im Volkspark Prenzlauer Berg gepflanzt worden waren. Zwei Weinlesen sind bisher Höhepunkte der Vereinsarbeit gewesen. Der in Meißen gekelterte »Berliner Riesling« ist Lohn dieser Arbeit. Mit Unterstützung der österreichischen Botschaft ist es uns auch gelungen, die Weingüter »Wien Cobenzl « und »Zahel« für ein gemeinsames Projekt zu gewinnen. So entstand mit vereinten Kräften am Wasserturmplatz im Sanierungsgebiet Kollwitzplatz ein »Wiener Weingart'l«. Es ist eine Art Schaugarten, kombiniert mit Rosen, die sich sehr gut mit dem Wein vertragen. Auch für dieses Gart'l hat der Verein die Pflege übernommen. Die üppige Blattmasse ausgewachsener Rebstöcke produziert ähnlich viel Sauerstoff wie Laubbäume. So wird zum Beispiel das vergleichsweise gute Wiener Stadtklima durch 700 Hektar Weingärten mitbestimmt. Der kleine Weinberg am Wasserturm trägt, wenn auch in weitaus bescheidenerem Maße, ebenfalls zur Verbesserung des Mikroklimas bei und bereichert das Areal mit sauerstoffreichem Grün. Im Mai beteiligt sich unser Förderverein an der Pankower Gesundheitswoche.

Wir werden vor allem zum Thema »Wein und Gesundheit« informieren. Denn Wein, natürlich in Maßen genossen, hat durchaus eine Reihe gesundheitsfördernder Effekte. Zur Aufarbeitung der Weingeschichte Berlins arbeiten wir zurzeit an einem gesonderten Projekt. Für entsprechende Hinweise und Quellenangaben sind wir sehr dankbar.
Der Förderverein »Weingarten Berlin« e.V. ist offen für Interessenten, neue Mitglieder und Ideen.

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