Jedes redliche Bemühn

"Jedem redlichen Bemühn sei Beharrlichkeit verliehn", schrieb Goethe, obwohl er die seltsame Diskussion um die Neugestaltung des Wasserturmareals sicher nicht voraussehen konnte. Ganz altmodisch redlich bemüht hat in den vergangenen Monaten eine Gruppe von Anwohnerinnen und Anwohnern versucht, in einen konstruktiven Dialog mit Vertretern des Bezirksamts Pankow, insbesondere dem SPD-Stadtrat Köhne, zu treten. Die hatten zu den Sanierungsplänen, die weitgehend unter Ausschluss der Öffentlichkeit beschlossen worden waren, nämlich einige Punkte hinzuzufügen, ohne das Gesamtprojekt jemals in Frage zu stellen. Hauptkritikpunkte an dem 1,6 Millionen Euro teuren Plan waren die Zahl von ursprünglich 22 Bäumen, die gefällt werden sollten, das Verlegen des geschützten Kleinkindspielplatzes an die Straße und die befürchtete Umgestaltung des Kleinkind-Spielplatzgeländes zu einem totsanierten Schmuckplatz.

Unverschämt wird kein vernünftiger Mensch diese Vorschläge nennen können. Dem Stadtrat Köhne waren diese Anliegerwünsche aber zu viel: Erst diffamierte er die Initiatoren des Bürgerprotestes in seiner offensichtlichen Hilflosigkeit als "radikale Minderheit" - wobei diese Radikalen sich ironischer Weise aus Juristen, Journalisten, Selbständigen und sonstigen Vertretern des durchaus bürgerlichen Viertels zusammensetzen. Anschließend boykottierte Köhne einen weiteren Dialog mit den Vertretern und ließ 16 Bäume am Wasserturmgelände fällen.

In diesem Moment hätte man vom geplanten Bürgerbegehren, das sich gegen die Sanierungsarbeiten ohne ausreichende Bürger-Information richtet, absehen können. Das Gegenteil ist der Fall: Angesichts der trostlosen Baumstümpfe in der Parkanlage solidarisierten sich plötzlich viele Menschen aus dem Kiez mit der Bürgerinitiative. Kolleginnen und Kollegen, Leute aus der Nachbarschaft, Besucherinnen und Besucher aus anderen Teilen Pankows kamen auf uns zu, unterstützten uns durch Gespräche, Telefonate, Briefe und Mails - das hat sehr viel Mut gebracht und Kraft für die weitere Arbeit gegeben, dafür herzlichen Dank an alle!

Womit Kahlschlag-Stadtrat Köhne, der das Bürgerbegehren ins Leere laufen lassen wollte, wohl nicht gerechnet hat: Nun hat sich ein "Jetzt erst recht"-Gefühl entwickelt, mit dem wir stellvertretend für viele Menschen im Kiez der hiesigen Lokalpolitik entgegen treten können. Das Bürgerbegehren wird kommen - darauf darf sich der SPD-Spitzenkandidat bei der kommenden Kommunalwahl schon mal einstellen. Denn wie heißt es so schön - wenn auch nicht bei Goethe: "Jedes Durchschnittstalent muss unbedingt in die Politik, weil es nur dort seiner Karriere nicht im Wege steht." Auf unsere Beharrlichkeit kann er sich verlassen.

Helmut Messemer
Bi Wasserturm
05.03.06
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