ODERBERGER STRASSE
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Bürgerinitiative bremst Bezirksamt aus

Die BVV-Pankow hat die Pläne zum Umbau der Oderberger Straße gekippt. Blumenkübel, Ranken, Beete und Bäume dürfen also (oder vorerst?) bleiben, das Bild, das die Oderberger prägt, soll erhalten bleiben.

„Da haben die Bezirksverordneten der Baubehörde mal gezeigt, wer das Sagen hat“, schreibt Kiezreporter Stefan Strauss in der Berliner Zeitung. Aber haben sie das wirklich? War es nicht vielmehr ein gemeinsamer taktischer Rückzug? Der Protest, der sich schon zusammengeballt hatte und über den Kiez hinaus weiter anschwoll, wurde langsam unkalkulierbar.

Mindestens 90 Prozent des Grüns müssen erhalten bleiben. Wie peinlich für den Grünen-Stadtrat Kirchner, der das Grün als „nicht verkehrssicheren Wildwuchs“ bezeichnete, „der entfernt werden müsse“.

Die 2,5 Millionen Euro, die das Bezirksamt zunächst in die Vernichtung der Oderberger Straße investieren wollte, sollen nun in die Gehweg- und Fahrbahnsanierung fließen. Wieso eigentlich? Wieso kosten eine stark verminderte Sanierung genauso viel wie die ursprünglich geplante groß angelegte Zubetonierung? Unserer Meinung nach reichen 200 – 300 Tausend Euro vollkommen aus, um die Straßen- und Gehwegschäden zu reparieren. Die restlichen 2,2 Millionen Euro können also durchaus in den Mauerpark investiert werden.

"Wir stellen das Sanierungsprogramm nicht infrage, so lange Beete und Bäume stehen bleiben", sagt Oskar Neumann von der Bürgerinitiative Oderberger. Bis nach den Bundestagswahlen 2009 stehen sie sicher.

Bi-Wasserturm/UWP
12.10.2007
Vernichtung durch Sanierung
S.t.e.r.n.–GmbH & friends: Der Krampf geht weiter!

Seit Jahren das Gequatsche vom Tourismus, obwohl der Tourismus in Berlin gerade mal fünf Prozent und in Pankow sogar nur ein Prozent des Bruttosozialprodukts ausmacht. Einzelne Touristenzentren täuschen gern über diese Tatsache hinweg.
Eins dieser Zentren ist die Oderberger Straße, die Anfang der Neunziger schon saniert werden sollte. Damals fehlte angeblich das Geld, das jetzt offenbar vom Land Berlin „zur Verfügung“ gestellt werden soll; insgesamt 2,5 Millionen Euro, die es eigentlich gar nicht gibt.

Wer durch die Oderberger geht, der braucht kein Straßenschild zu lesen, um zu wissen, wo er ist. Die Oderberger ist einmalig und darum beliebt bei den Anwohnern - und den Touristen. Man muß sie also nicht hinkarren, sie sind schon da und können höchstens vertrieben werden. Der Magnet Oderberger Straße soll künftig aussehen, wie alle Straßen und Plätze im Neuen Berlin: geleckt, langweilig, tot. So lautet wohl der Beschluß des feistfetten Sanierungs- Konglomerats zu Pankow.

Für den Grünen-Stadtrat Kirchner steht das von Anwohnern selbst bepflanzte Grün „nicht verkehrssicher“ und „muss entfernt werden“. „Wir werden nicht jeden Wildwuchs erhalten können“, sekundieren die Verwaltungsaffen vom Tiefbauamt, die das Grün lieber am Nasenring und an der Kette haben. Man ahnt schon den Lärm der Kettensägen, die den Resten vom ursprünglichen Prenzlauer Berg des schnöden Profits halber den Garaus machen.
Die Attraktivität der Prenzlauer Berg-typischen Wohngegend wird für teuer abgesenkt, dafür steigen die Mietpreise. Die Oderberger soll nach den asozialen Plänen der S.t.e.r.n.-GmbH und der Bezirksamts-Allparteienunion zur betonierten Auffahrt zum bewachten Luxuswohnen am Mauerpark verkommen, für dessen für die Allgemeinheit weit vorteilhaftere Fertigstellung das Geld aber angeblich fehlt.

Herr Kirchner will nun, nachdem die Bombe geplatzt und der erste Schrecken vorüber ist, einen Kompromiss finden: „Das wird ein mühseliger Weg, alle Interessen unter einen Hut zu bringen.“ Herr Kirchner will sagen: Die geldlichen Interessen der Bau-, Sanierungs- und Spekulantenfirmen werden wie immer durchgesetzt. Mühselig wird es allenfalls für die vermeintlichen Volksvertreter, die ihrer dürren Basis dann bei Anwohnerversammlungen, S.t.e.r.n.-GmbH-Workshops und abgekartetem Mummenschanz wieder die Quadratur des Kreises erklären wollen.

Von der Bezirksverordnetenversammlung ist keine Hilfe zu erwarten. Das politische Geschäft wird in Pankow von der Verwaltung erledigt. Die Bezirkspolitiker, allen voran der ruhmreiche Bezirksbürgermeister, „moderieren zwischen den Interessen der Verwaltung und denen der Bürgerinnen und Bürger“ (O-Ton SPD-Köhne). Die Moderation fällt immer zuungunsten der Bürgerinnen und Bürger aus. Hell glänzende Moderatoren sind auch die Leuchten der Betroffenenvertretungen und der so genannten bezirklichen Mieterberatung. Beide Organisationen werden vom Sanierungslobbyisten S.t.e.r.n.-GmbH beziehungsweise vom Bezirksamt finanziell ausgehalten. Beide haben ihre vermeintliche Unabhängigkeit letztlich nie unter Beweis gestellt. Und sie verstehen es, wiederum glänzend, ihre Mitbürger vor allem durch Totlabern hinters Licht zu führen.

Fünfzehn Jahre Vernichtung durch Sanierung, fünfzehn Jahre Geschäfte wie geschmiert. Daraus müssen Lehren und Konsequenzen gezogen werden.
Erfreulich, dass sich Widerstand regt. Erfreulich, dass in der Oderberger noch Leute wohnen, die wissen, daß sie verarscht werden sollen. Erfreulich, daß hier die Zusammenhänge von Parteikarrieren und Abzockerinteressen wieder so deutlich hervortreten und diskutiert werden können.
2,5 Millionen Euro sind viel Geld, das anderswo dringender benötigt würde. Die Heuschrecken-Connection S.t.e.r.n.-GmbH & friends will sich’s in die Taschen stopfen. Ungebeten, und in mehrerer Hinsicht auf Kosten der Allgemeinheit.

Bi-Wasserturm/UWP
10.10.2007
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