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| Der Mohr kann gehen „Wasserturmplatz fertig gestellt“, ließ das von Bürgermeister Köhne geführte Umweltamt kürzlich als Pressemeldung verbreiten. Der Augenschein zeigt ein anderes Bild: Nichts ist fertig. Alles ist so, wie gehabt. Der neue Rundweg für Touristen steht auch nach kurzen Regenschauern unter Wasser, wie die „sanierten“ Speicher unter dem Hochplateau. Man erinnere sich: Die Bäume an den Hängen des Hochplateaus mussten fallen, „um die Speicher darunter trockenzulegen“. Die Vegetation am Südhang musste weichen, „um den Hang zu befestigen“. Der Kleinkindspielplatz wurde abgebaut, um „mehr Spielfläche zu schaffen“. Bürgerinformation wurde verhindert, um „Bürgerbeteiligung herzustellen“. Lügen wurden verbreitet, um „sachlich zu informieren“. Mitglieder der Bürgerinitiative Wasserturm hatten 5.336 Unterschriften gegen den Kahlschlag und die Umgestaltung des Prenzlberger Kleinods in einen Stadtplatz gesammelt und waren von einer Handvoll von Befürwortern des Kahlschlags als „Minderheit“ bezeichnet worden. Viel gezahlt hat die steuerpflichtige Öffentlichkeit, viel verdient die S.t.e.r.n.-GmbH, die Monopolistin des städtebaulichen Umbauwesens in Pankow und anderswo. 4,6 Millionen Euro wurden allein am Wasserturmplatz in den märkischen Sand gesetzt, einem verhältnismäßig kleinen Projekt, an dem die S.t.e.r.n.-GmbH, wie immer, drei Prozent der Bausumme kassierte. Sie ist Hauptprofiteurin in den so genannten „Sanierungsgebieten“, mit denen der Ostteil der Stadt in den Neunziger Jahren überzogen wurde, um die ansässige Bevölkerung vor Verdrängung durch Haus- und Grundstückspekulanten zu schützen. Auch hier wurde das Gegenteil bewirkt. Erhebungen des Mietervereins zufolge wurden bis zu siebzig Prozent der Anwohner, hauptsächlich Familien, Studenten und andere nur bedingt geldlich abschöpfbare Bevölkerungsgruppen aus den „Sanierungsgebieten“ verdrängt. Vertrieben könnte man auch sagen, denn freiwillig ist vor allem im Ortsteil Prenzlauer Berg kaum jemand weggezogen. Eine Schlüsselrolle hat stets die S.t.e.r.n.-GmbH eingenommen. Die „Gesellschaft für behutsame Stadterneuerung“, wie sich diese Truppe auch treffend bezeichnet, hat erhebliche öffentliche Mittel erhalten und verbaut. Jetzt wohnen in Prenzlauer Berg viele von denjenigen, die die Mittel bewilligt und die S.t.e.r.n.-Projekte genehmigt beziehungsweise befürwortet haben. Im Mai wollen sie den neuen Wasserturmplatz einweihen und ihr vollbrachtes Werk feiern. Federführend dabei sein wird der ehemalige Stadtrat für „Umwelt, Wohnen und Bürgerdienste“ und jetzige Bürgermeister von Pankow. Bürgermeister Köhne, im Pankower Volksmund auch Pannen-Köhne genannt, wird bei diesem Anlass wohl wieder von einer „vielfältigen Bürgerbeteiligung“ schwadronieren, die es angeblich gegeben hat. Und vielleicht wird ihm dabei sein großer Beschützer, der Regierende, das Händchen halten. In SPD-Kreisen betrachtet man derlei Verballhornung der Öffentlichkeit anscheinend als probates Mittel „verloren gegangenes Vertrauen in die Politik zurück zu gewinnen“. Ein Zeilenfüller der FAZ, so hat mir ein Nachbar kürzlich erzählt, lobte den neu geschaffenen Stadtplatz in seinem Blättchen über alle Maßen. Freie Sicht für freie Bürger soll der Grundtenor seiner Hymne gewesen sein. Über Ästhetik lässt sich streiten. Oberflächlich betrachtet mag ein neu Hinzugezogener dem Anblick, den er nicht anders kennt, durchaus Positives abgewinnen. Allen, die hier schon länger wohnen, wurde ein Stück Identität und lebenswerte Natur genommen. Insbesondere gilt das für altansässige Senioren, für die das Areal vorgeblich umgestaltet wurde. Gespalten ist nun das Häuflein von Befürwortern der Platzvernichtung. Die Peinlichkeit ist offenbar, und die Nachfrage der Betroffenenvertretung Kollwitzplatz, wie und mit welchem Geld der Schaden behoben werden soll, hat Pankows Bürgermeister sinngemäß wie folgt beantwortet: Der abrutschende Hang wird aufgeschüttet, bis er haften bleibt. Bezahlt werden die zusätzlichen Maßnahmen von der angeblich schadenersatzpflichtigen ausführenden Gartenbaufirma. Welch ein Unsinn! Seit wann ist die Maurerkelle für den Einsturz eines Hauses verantwortlich, den die falschen statischen Berechnungen des Architekten verursacht haben. So, wie es der Öffentlichkeit im Vorfeld der Platzvernichtung erging, widerfährt es jetzt den ehemaligen Befürwortern: Der Mohr hat seine Schuldigkeit getan. Der Mohr kann gehen. Wolfgang Gerhard 26.02.2007 |
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