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| Alt wie ein Baum Berlin verliert seine Straßenbäume. Seit 2003 nimmt der Bestand jedes Jahr um rund 1 500 ab, im vergangenen Jahr waren es 1 414. Bei einer Gesamtzahl von 416 706 Bäumen ist das noch relativ gering, aber der Trend wird sich in den nächsten Jahren fortsetzen. Denn Berlins Straßenbäume sind überaltert und jährlich werden mehr gefällt als gepflanzt. "Die starken Stürme der vergangenen Jahre haben viele Schäden in den Kronen hinterlassen", sagt der Baustadtrat von Charlottenburg-Wilmersdorf, Klaus-Dieter Gröhler (CDU). Die Auswirkungen würden erst jetzt sichtbar. Die Bäume sterben früher oder erkranken. "Hinzu kommt, dass viele Bäume nach dem Krieg gepflanzt wurden und nun ins 50. Jahr kommen. Länger lebt ein Straßenbaum nur selten", so der Baustadtrat. Ein Drittel der Berliner Bäume sind einer Zählung der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung zufolge älter als 40 Jahre. Rund 78 Prozent sind über fünfzehn Jahre alt. Innerhalb der Bezirke schwanken diese Zahlen jedoch stark. In Reinickendorf ist nur jeder zwölfte Baum ein Jungbaum, dafür gehört fast die Hälfte der Bäume der obersten Altersklasse an. Diese Bäume sind krankheitsanfälliger, werden morsch und verlieren ihre Standfestigkeit. 2002 hatte ein Sturm in Reinickendorf mehr als 2 700 Straßenbäume entwurzelt. Weil die Straßenbäume überaltert sind, müssen jedes Jahr mehr ersetzt werden. Doch den Natur- und Umweltämtern fehlen Geld und Personal. "Vor drei oder vier Jahren waren wir noch in der Lage, alle gefällten Bäume zu ersetzen, dann haben die Fällungen so zugenommen, dass es wegen der Haushaltssituation unmöglich wurde", sagt Gerrit Deutschmann, Referent im Pankower Umweltamt. Frank Balzer (CDU), Baustadtrat in Reinickendorf, sagt: "Unser Grünflächenpersonal wurde in den letzten zehn Jahren von 500 auf 200 Angestellte reduziert. Wir können den Bestand noch pflegen, aber keine Jungbäume mehr aufziehen." Junge Bäume müssen fünf Jahre lang regelmäßig bewässert werden, um richtig anzuwachsen. "Im Sommer ist so eine Straße ja wie eine Trockenkammer, da müssen die Wurzeln erstmal weit in die Erde wachsen", sagt Elke Hube, Chefin des Grünflächenamtes Spandau. Pro Baum rechnen die Ämter deswegen mit Kosten zwischen 1 500 und 2 000 Euro. In Treptow-Köpenick stehen mittlerweile 2 000 Pflanzplätze leer, in Charlottenburg-Wilmersdorf 1 600. "Um den Bestand komplett nachzupflanzen, brauchten wir 1,5 Millionen Euro", sagt Stadtrat Gröhler. Deswegen suchen die Bezirke zunehmend nach privaten Spendern und Unternehmen, die Baumpatenschaften übernehmen. 60 zusätzliche Bäume konnten so im vergangenen Jahr in Mitte gepflanzt werden. Investoren werden verpflichtet, Bäume zu pflanzen. In Reinickendorf wird für vier Supermarktparkplätze ein Baum fällig. Weniger aufgeregt betrachtet Hartmut Balder, Professor für städtische Gehölzproduktion an der Technischen Fachhochschule Berlin, den Rückgang an Straßenbäumen. 50 000 Bäume weniger wären kein Problem. "Wir sprechen immer von der Quantität und nie von der Qualität", sagt er. Die Bäume seien viel zu dicht gepflanzt worden, weil die Politik Mindestzahlen vorgegeben habe. "Die Bäume konnten sich nicht richtig entwickeln und nie ihre volle Wirkung entfalten." Deswegen sei es sinnvoller, den Bestand gezielt auszudünnen und die Bäume wachsen zu lassen. So würden sie älter und wären noch besser für das Stadtklima. An der Sven-Hedin-Straße in Zehlendorf steht eine 25 Meter hohe hundertjährige Buche. Wissenschaftler haben errechnet, dass der Baum an einem Sonnentag aus 18 Kilogramm Kohlendioxid 13 Kilo Sauerstoff macht. Damit wird der Tagesbedarf von zehn Stadtbewohnern gedeckt. Im Sommer ist es im Schatten des Baumes bis zu fünf Grad kühler. Wollte man die Leistung dieser Buche ersetzen, wären dazu 2 500 neue Bäume erforderlich. Berliner Zeitung, 19.03.2007 |
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